Szenen-Blick
// LL-NEWS

Hier spüren wir «den Puls des Geschehens» auf und berichten sporadisch über Entwicklungen und Tendenzen aus der Welt des Leistungs- und Rennsports usw. «Stay tuned», wir bleiben dran!

11. November 2020 / Peter Decurtins

Die «Nordic-World» auf dem grossen Prüfstand!

Saison-Vorschau NR. 2: Plus «Die ganz grosse Chance der Schweizer!»

Hiermit meine ich klar und deutlichen den Profi- und Elite-Rennsport, die Veranstalter und Verbände usw., welche eine schwierige Saison vor sich haben. FIS Renndirektor Pierre Mignerey (F) ruft schon mal zu «positiven Attitude», sprich zu einer guter Einstellung und positiver Haltung auf. Ob dies alleine aber genügt, um ein einigermassen faires und überschaubares «Langlauf-Szenario Saison 2020/21» hinzukriegen? «Mmh» … - das wissen wohl nur die «Langlaufgötter». Denn ganz verschont oder «coranafrei» wird es wohl nicht über die Bühne gehen, das Langlauf-Renngeschehen.

Währenddessen diverse Sportverbände und Veranstalter usw. ihre Aktivitäten auf die aktuelle Situation mit der Covid-19-Pandemie flexibel zeigten und entsprechend ratifiziert und angepasst haben, möchte FIS-SKI mehr oder weniger sein «Standard-Programm» abspulen. Dass alles seinen «gewohnten Lauf» nimmt, scheint mir eher unwahrscheinlich oder schon leicht naiv zu sein, wenn man davon ausgeht, dass das einfach geht.

Das einzige Gewisse ist das Ungewisse …

Das einzige Gewisse scheint aktuell das Ungewisse zu sein, gibt es doch nicht nur landesinterne Regeln und so einzuhalten, welche das Ganze nicht wirklich einfach oder berechenbar machen. Das zieht teilweise schon den Unmut der einzelnen Nationen mit sich nach und fördert sicherlich keinen guten «Nordic-Spirit», steht doch die Gesundheit der einzelnen Sportler und Betreuer an vorderster Front. Deshalb zeugt das Vorgehen aktuell nicht gerade von höchster Professionalität und Führungsstärke. «Ich denke, da ist auch die FIS etwas chaotisch aufgestellt», gibt Peter Schlickenrieder gegenüber «BR24 Sport» zu Protokoll und preis und redet von einem in etwa doppeltem Zeitaufwand in Bezug auf «Unwägbarkeiten» wie Flüge und Anreisen und grosser Selbst(um)organisationen usw.

Strategien und Überlegungen: Alles dreht sich um die WM!

Wechselnde und unberechenbare Reisebestimmungen, hohe Kosten hinsichtlich des unbequemen und teuren Corona-Test-Szenario usw. lassen die einzelnen Teams wohl gewisse Überlegungen machen. So lässt Jelena Välbe, die Chefin des russischen Skiverbands, schon mal verlauten, dass alleine die Kosten für die Covid-19-Tests, d.h. für den normalerweise rund 60-köpfigen «Wettkampf-Tross», sich etwas über einer halben Million Euro bezifferen oder in Zahlen fast Fr. 600'000.- sind. Währenddessen die Deutschen sich nach einem Trainingsblock auf der Snowfarming-Loipe in ihr «Headquarter» zurückziehen und Teamchef Peter Schlickenrieder einen Plan ausdenkt*, sind wohl auch andere Mannschaften gerade nicht minder hinter der Kulisse am «Werken» und Strategien am aushecken. Gespannt bin ich nun schon mal, wie die eher «sensiblen», teilweise mit einem «Putzfimmel» oder einer «Bakterien-Phobie» behafteten Norweger, mit der neuen Situation klar kommen. Die als «Gesundheitsfreaks» bekannten Nordländer, welche fast schon überachtsam als «Keimfreaks» agieren», werden das Virus oder «die Neue Covid-19-Realität» sicherlich nicht einfach locker wegstecken und ignorieren. Nein, vermute ich einfach mal, tun sie sich eher schwer damit. Zumindest nicht so «frisch und frei», ich meine unbekümmert, wie «Youngster» Helene Marie Fossesholm, sind die gestandenen «Cracks» kaum drauf. «Hoppla» und tatsächlich, siehe da: Erst kürzlich wurde eingehend berichtet, dass sich Langlaufstar Johannes Klaebo teilweise von seinen Liebsten abgesondert hat und aktuell keine physischen Kontakte zu Freunden pflegt***. Er lebt neben dem täglichen Training praktisch in einer strikten «Selbstquarantäne», da er Angst vor dem Virus hat. Aber es ist halt schon auch so, dass die Lunge das «Kapital» der Langläufer ist. Da kann eine kleine Beeinträchtigung oder Funktions-Schädigung die Karriere schon auch ruinieren. Dieses Wissen scheint Klaebo abzuschrecken und prägt ihn. Fakt ist aber auch, dass der Langlaufsport ja draussen stattfindet und mit Disziplin und gutem Konzept doch einiges möglich sein müsste.

Dass man von den Schweizern nichts oder nur wenig konkretes hört liegt wohl in der Natur der Dinge oder (eher wohl) Führung: «Just» magere und farblose Kost «as usual». Klar, sie sind und bleiben halt «fokussiert», was ja auch richtig ist. Doch ebenso nicht falsch ist es, wenn man der Realität in die Augen schaut und zumindest mal vorsorglich einen «Plan B» ausheckt und bereit hat. Ob man ihn nun dann braucht oder nicht, sei mal dahingestellt. Jedoch dürfte man das ruhig auch kommunizieren, so dass man auch als Supporter oder Fan irgendwie Teil der Mannschaft ist und sich «dabei» fühlt. Doch logisch und natürlich macht sich jeder und jede egoistisch Gedanken und ALLE zielen auf das grosse Saisonziel, auf die «FIS Nordische Ski WM 2021 Oberstdorf» hin, welches einfach gelingen muss! Hinsichtlich der Heim-Weltmeisterschaften haben die Deutschen schon letztes Jahr angekündigt, dass sie die «Tour De Ski» auslassen möchten, um dann punktgenau auf den «Peak» in Topform zu sein.

Doch auch anderweitig werden gewisse Sololäufe und Eigensinnige Überlegungen das Geschehen prägen. Schade, weiss man kurz vor Saisonbeginn noch immer nicht so genau, was und wie nun abgeht (oder eben nicht). Die Russen scheinen die letzten Jahre in Bezug auf Anwesenheit und Präsenz am konstantesten unterwegs und am treusten zu sein. Eigentlich so wie’s auch im Normalfall angedacht ist, d.h.: «Langlauf auf höchstem Niveau« unter einem Dach(-Organisation) «vereint». Das ist oder wäre auch bei «normalen« Bedingungen das, was wir eigentlich wünschen und erhoffen. Doch wir werden sehen wie und wer und was und so …. «Stay tuned»: Das kündet zumindest schon mal Peter Schlickenrieder in gewohnter optimistischer und «pushender» Manier an. Also, bleiben wir schon mal dran ...

Die Sorgen der Athleten

Durchstöbert man sie Sozialen Medien**, wo die Athleten sich zur Sachlage äussern, so sagt die russische Top-Athletin Natalia Nepryaeva kürzlich klar und deutlich, dass die Pandemie ihre Frühlingsträume zerstörten. Sie zog sich ins Landhaus der Eltern zurück, wo sie mehr oder weniger in Isolation lebte. In der Abgelegenheit fehlte ihr doch die gewohnte Infrastruktur, um effizierte trainieren zu können. Dann wurde sie in den Bergen des Kaukasus auch noch krank. Den Formstand vor der Saison bezeichnet sie deswegen als «nicht optimal», möchte aber dennoch an der WM in Oberstdorf besser sein wie an der vorigen in Seefeld 2019.

Die US-Amerikanerin Jessie Diggins sah sich in diesem gewiss «speziellen Jahr» mit der grossen Frage beschäftigt, was sie für sich selbst und ihre «psychische Gesundheit» tut. Offenkundig spricht sie dabei, dass es viel Stress gab! Mittels Gesprächen und Reflektieren bei Abend-Spaziergängen an der frischen Luft und bewusstem Atmen kommt sie wieder zur Ruhe. Dadurch wird sie entspannter, gelassener und ist wider guter Laune. Ja, es ist tatsächlich nicht leicht, aktuell fokussiert und zielstrebig zu bleiben. Darin sind wir uns wohl alle einig.

Nochmals: Die ganz grosse Chance der Schweizer!

Wenn man um die Schnee- und Trainingsbedingungen in der Schweiz im letzten Frühling weiss, wo im Mai noch mancherorts und so wunderbar Schnee für Trainingseinheiten genutzt werden konnte, resp. wenn man das «privilegierte Profi-Sportlerleben», welches eben teilweise abseits der Zivilisation und in urbanen Tälern oder abgelegenen Bergenlandschaften stattfindet, unter die Lupe nimmt – so arg oder einschneidend war der «Corona-Effekt» für die «Swiss-Ski-Athleten» nicht –, müsste da in der kommenden Saison echt was abgehen. Bei den Männern müssten die doch mittlerweile versierten oder gestandenen Weltcup-Läufer an der WM in Oberstdorf Top 15-Plätze anstreben - mit einigen Abstecher «nach oben», was Plätze in den Top 8 bedeuten würden, meine ich. Was bei den Frauen drin liegen könnte, weiss man ja nun mittlerweile, resp. mindestens nach der letzten Saison, schon auch. Das schnelle Sprintduo Laurien van der Graaff / Nadine Fähndrich müsste zumindest heiss auf eine Medaille im Teamsprint sein.

Echt: Ich bin wirklich sehr guter Dinge, was die neue Saison und die neue Konstellation im Trainer-Stab und die generelle Umstrukturierung mit neu einem «Chef Langlauf» und «Nordic-Direktor» bei «Swiss-Ski» anbelangen. Wenn ich da im Interview mit Dario Cologna im «Snowactive» lese, dass die Trainings unter Kein Einaste vermehrt auch wieder mit 4- bis 5-Stünder «gespickt» sind, lässt das mein mit Norweger-Gene behaftetes LL-Herz doch etwas höher schlagen. Ich behaupte sogar, dass die Schweizer im kommenden Winter fast die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison haben! Also: «Auf geht's, los» ... - packt die Chance, nützt die Gunst der Stunde und setzt zum neuerlichen «Husarenritt an»! Gewiss doch: IHR habt's drauf!

Schön wäre es nun aber auch noch die Jungen auf diesen Weg, der ja eben «kein offenes Geheimnis», sondern schlicht «Hard Work» ist, zu leiten und aufzubauen. Vorbei soll’s fortan mit «Strohfeuer», «Junioren-Überflieger» oder «Kurzzeit-Sonnen im Erfolg», konkret mit «Stagnation» schon vor und um die 20 Jahre, sein. Jawohl und bitteschön: Ein behutsamer und weiser Leistungsniveau-Aufbau ist wieder gefragt …, d.h. ab 20 Jahren soll‘s erst so langsam richtig losgehen. Denn es wäre wirklich wünschenswert und an der Zeit, wenn wieder einmal neue und junge Athleten die Weltcup-Bühne betreten und sich darauf auch etablieren würden ….

Die (harte) Realität

Aber Wie hart es die «Szene» generell trifft, wird sich also noch erweisen. Wohl nicht alle Athleten können weiter einfach «easy» einen «Profi-Status» frönen …. Hiesige Musiker arbeiten zum Teil, d.h. «coranabedingt», als Lehrer und tätigen auch wieder andere oder Nebenjobs. Gewisse Sportler müssen das wohl (vorübergehend) auch in Betracht ziehen, um wortwörtlich «über die Runden» zu kommen. Das privilegierte Dasein und Leben als «Langläufer» ist aktuell etwas am Bröckeln.

Die kommende Saison könnte eh zur allgemeinen «Zerreissprobe» verkommen. Für Verbände, Athleten und die Leute im Umfeld, den «Staff» usw. Aber hoffen wir's nun mal nicht und bleiben wir doch einfach «guter Dinge». Pierre Mignerey macht's ja schon mal verbal vor.

Peter für «NORDIC-PASSION»

* Peter Schlickenrieder anfangs November auf INSTAGRAM: «To fix the Strategy for this season to deal with all the restrictions. We have a plan. Stay tuned»

** Diverse Berichte und Zitate von Athleten von INSTAGRAM, resp. «aus erster Hand so quasi»

*** https://www.ran.de/langlauf/news/corona-angst-langlauf-star-klaebo-zwingt-freundin-in-quarantaene-106120


20. Oktober 2020 / Peter Decurtins

«Athleten im Fokus»: Lisa Lohmann (19 / D)

Die Junioren-Vizeweltmeisterin gibt einen spannenden Einblick ins «schön harte» Langlaufleben. Doch Freude und Spass sind vordergründig. Hier das Interview mit der sympathischen und erfolgreichen Nachwuchsläuferin aus dem Thüringer Wald.

NP: Kürzlich hast Du das «Getting Tough» - Race in Oberhof über die Langdistanz von 17km gewonnen, welches mit diversen Hindernissen versehen eben auch «knüppelhart» ist. Wie war diese wohl etwas aussergewöhnliche Erfahrung für Dich?

Lisa: Das «Getting Tough» war für mich eine sehr spannende und neue Erfahrung, die mich ganz schön gefordert hat. Die Hindernisse hatten es in sich - vor allem für mich, da ich sowas zum allerersten Mal machen konnte. Aber es hat so viel Spass gemacht in meiner Heimat zu Laufen und viele nette Leute kennenzulernen!

NP: Das tönt ganz nach Freude und Spass! Oft aber hört man auch vom «harten Langlaufleben», welches Du offensichtlich anpeilst. Woraus schöpfst Du Deine Energie und Motivation für die langen Trainings und diesen Weg?

Lisa: Ich habe mir mein Leben so ausgesucht, und bereue dies auch keineswegs. Das «Langlaufleben» ist mein Beruf und ich gebe jeden Tag alles dafür. Durch meine bisherigen Erfolge schöpfe ich «Tag für Tag» & «Saison für Saison» neue Kraft und mir macht das, was ich tue, einfach Riesenspass!

NP: Wie Du ebenfalls berichtete, so hast Du mit dem «Fläming-Skate» erstmals die 100km Challenge auf den Rollskis «geknackt». Wie war das so für Dich?

Lisa: Seit 4 Jahren fahren wir im Herbst immer dorthin, das heisst ich habe die 100km Challenge schon mehrmals geknackt! Jedes Jahr aufs Neue eine super coole Erfahrung.

NP: Wenn man Deinen Trainingseifer beobachtet, denkt man unweigerlich an die Norweger, welche die letzten Jahre den Langlaufsport dominierten. Inwieweit hegen diese einen Einfluss auf Dich und Eure Neuausrichtung unter Bundestrainer Peter Schlickenrieder?

Lisa: Freut mich, wenn das auch so rüberkommt!

NP: Ja, ich habe schon mehrmals darüber berichtet, respektive wohl eher fast schon «geschwärmt» davon, weil da eben offenkundig ein «frischer Wind» und «Aufbruch» herrscht …

Lisa: Generell macht mir das, was ich jeden Tag tue, eben Riesenspass! Ich denke, wenn man keine Freude am «sich täglich quälen» hat, ist dieser Sport nicht das richtige für einen. Man muss voll dabei sein und bereit sein alles dafür zu geben.

NP: Bei uns werden oft die Resultat bei Jugendläufen überbewertet und schnell einmal heisst's «dieser oder jene wird einmal gut» sein oder gar «ein Star werden». Meiner Meinung nach tut man aber den Athleten aber keinen Gefallen, wenn man da allzu früh hohe Erwartungen weckt. Wie ist das bei Euch so?

Lisa: Nein, auf gar keinen Fall! Besonders in den jungen Jahren ist es wichtig, dass man Spass am Sport hat. Der eine entwickelt sich eben schneller oder früher als manch anderer. Von daher würde ich sagen, dass die Resultate vielleicht ein Ansporn sind, aber man sie keineswegs überbewerten sollte!

NP: Letzten Winter wurdest Du an den Junioren-Weltmeisterschaften in Oberwiesenthal über 5km in der klassischen Technik hinter der Topfavoritin Helene Marie Fossesholm (NOR) Vize-Weltmeisterin. Was für ein Mega-Erfolg! Gratulation im Nachhinein auch noch unserseits!

Lisa: Vielen Dank! Damit hätte selbst ich nicht gerechnet!

NP: Helene Marie wurde beim Massenstartrennen in Falun (SWE) mit nicht einmal ganz 19 Jahren gar schon 5. Im Weltcup, obwohl sie dabei das Feld so quasi «von hinten aufrollen» musste. Am Schluss hat sie gar noch die Weltklasse-Läuferin Natalia Nepryaeva (RUS) abhängte. Wie schätzt Du diese Leistung und das Potenzial Deiner Mitkonkurrentin ein, welche obwohl kleingewachsen ein waschechtes «Energiebündel» und «Multisport-Talent» ist?

Lisa: Helene ist für mich ein Ausnahmetalent. Ich ziehe meinen Hut vor ihr! Deswegen hätte ich niemals gedacht, dass ich nur 15s langsamer als sie in dem Wettkampf war. Es freut mich zu sehen, dass selbst eine 19-jährige Sportlerin schon so viel erreichen kann! Das zeigt eben, dass alles möglich ist und man den nötigen Ehrgeiz und natürlich auch viel Talent für den Sport braucht.

NP: Wie werdet ihr «geerdet», ich meine mit der Realität des eben teilweise schon «toughen» (harten) Langläuferleben konfrontiert und dennoch «behutsam» an die Spitze herangeführt?

Lisa: Da hab ich volles Vertrauen in meinen Trainer Cuno Schreyl der mich seit 4 Jahren auf meinem sportlichen Weg begleitet.

NP: Was möchtest Du jungen Athleten weitergeben, die eine Langlaufkarriere anvisieren?

Lisa: Dass die jungen Sportler mit Spass und Freude an das doch harte Training herangeführt werden ohne dabei den Spass und vor allem den Ehrgeiz nicht zu verlieren. Aufgeben gibt es nicht, auch wenn einem manchmal danach ist ;-). Wenn man erstmal was erreicht hat sieht man, dass sich die ganzen Mühen gelohnt haben! Und klar, es gibt auch ganz viele schöne Seiten an dem Sport.

NP: Nun noch eine Sache oder ein Anliegen, welches Dir speziell auf Deinem Langläufer-Herzen liegt?

Lisa: Ich hoffe einfach, dass ich die kommende Saison ohne Einschränkungen ablaufen kann.

NP: Das wünsche ich Dir und Eurem Team natürlich ebenso und bin schon mal gespannt wie’s läuft und es sich bei Dir weiterentwickelt.

Herzlichen Dank für das nette Gespräch!

Link zum Interview Teilen auf FACEBOOK

FOTOS: z.V.g. Lisa Lohmann



15. August 2020 /

Peter Northug: Der gelandete «Überflieger» oder gefallene «Mega-Superstar»

Der Langzeit-Dominator und «Überflieger» Petter Northug (NOR) wird mit erhöhter Geschwindigkeit und Kokain am Steuer erwischt und «outet» sich gleich selber, indem er Besserung gelobt .... «Ich habe einen großen Fehler gemacht», verkündigte Northug (34) nämlich letzten Freitagabend höchstpersönlich und reumütig in den sozialen Medien. «Outsch, das tut weh … - und ist nicht gerade das, was der Langlaufsport wirklich auszeichnet …».

Jedoch: Das Leben als «Superstar» oder «Übermensch» ist nicht einfach … - die (unsere) «Glanz- und Gloria-Gesellschaft» mit vielen (Schein-)Ansprüchen ist eben gnadenlos, brutal und trügerisch! Ebenso birgt «das Leben auf der Überholspur» etliche Gefahren in sich und kann fatal enden (diverse Rock-Stars lassen grüssen …). Doch wer ganz unten und gefallen ist, der kann auch wieder aufstehen. Das muss und soll man wissen. Denn nie darf ein Mensch aufgegeben und fallen gelassen werden!

Hoffen wir doch sehr, dass Petter jetzt nicht nur im Selbstmitleid versinkt, sondern sich langsam wieder aufrafft und es wieder zurück ins Leben als echte Sport-Persönlichkeit schafft. Schon am Ende seiner Karriere, bevor er schweren Herzens und unter Tränen seinen Rücktritt bekanntgab, musste Petter sich eingestehen, dass der Körper einfach nicht mehr konnte und bekundete grosse Mühe das zu akzeptieren und loszulassen. Doch das Leben geht aber auch nach eine Spitzensportler-Karriere weiter und man kann nicht stetig nur im Sonnen- oder Rampenlicht stehen …. Aber Charakterzüge wie «Bodenhaftigkeit» oder «Bescheidenheit» sind halt eben eher auch die Merkmale seines grossen und langjährigen Widersachers Dario Cologna, der solche Tugenden souverän verkörpert und ihn gerade deswegen auch zu einem der mächtigen «Sympathieträger der Szene» machen.

Nichtsdestotrotz wünsche ich Petter – welcher abermals, durch seine so ziemlich egozentrische und eigensinnige Art während seiner Aktivzeit, als «frecher Gegenpol», doch auch etwas Rock'n'Roll oder Farbe in den etwas imagemässig «verstaubten» Langlaufsport gebracht hat – auf jeden Fall gewiss nur das Beste. Möge er rasch möglichst wieder aufstehen und ein gesundes oder vernünftiges und ausgewogenes Leben «als Mensch» und seine «innere Balance» finden! Denn nicht nur «Super-LL-Youngsters» wie Jonna Sundling (SWE) oder Helene Marie Fossesholm (NOR) «vergöttern» Northug als ihr grosse Idol und eifern auf den Skis «Petter dem Grossen» nach!

Für NORDIC-PASSION Peter Decurtins



Juni 2020, Peter Decurtins


VORSCHAU 2 !!! (eine neuerliche «Sommer-Prognose» auf die kommende Langlauf-Saison hin …)

Nachdem die eh schon etwas spezielle «Zwischensaison» (keine Grossanlässe wie WM oder Olympia) abrupt zu Ende ging, möchte ich hiermit eine kurze Vorschau auf die kommende Saison wagen. Irgendwie hält das Corona-Virus, sprich die COVID-19-Pandemie, nach wie vor die Welt – und damit auch die Sportwelt – in Atem. Vieles ist aktuell noch ungewiss und man weiss nicht so genau wie’s weitergeht?

Kaum Chancengleichheit, aber dennoch …

Trotzdem können die meisten Teams mittlerweile wieder gemeinsam und unter der Aufsicht ihrer Trainer ihre tägliche Arbeit verrichten und gut trainieren. Nicht nur die Deutschen sind nach unzähligen «Home-Workouts» wieder aus der Quarantäne entlassen, sondern auch die Amerikaner und Norweger trainieren wieder – zwar teilweise noch unter gewissen Auflagen, wie bspw. für die Benutzung der Skisporthalle in Oberhof (D) durch Leistungssportler oder mit Einschränkungen in Bezug auf die Nutzung von Fitnesscentern und effizienten Kraftmaschinen und dergleichen – praktisch «normal».

Voll «parat»!

So scheint eine Therese Johaug bereits wieder – oder noch immer (?!) – in Topform zu sein! Gerade absolvierte sie nämlich an den «Impossible Games» in Oslo (NOR) ein 10.000 Meter Bahn-Rennen gegen die Uhr, wo sie eine Zeit von 31:50 Minuten anpeilte. Zwar alleine, aber mittels einem Laser am inneren Rand der Tartanbahn als «Pacemaker» unterstützt, knackte sie diese Zeit mit 31:40,69 Minuten klar, welche die Selektion für die kommende Leichtathletik-WM bedeuten würde … «Crazy»! Denn diese Wahnsinnszeit hätte vergleichsweise, z.B. an der letzten Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha (Katar), den 15. (!) Rang bedeutet. «Man» – oder eben Frau –, ist diese Therese sowas von «parat». Doch nicht nur Johaug ist nach wie vor top motiviert, sondern auch «Youngster» Helene Marie Fossesholm (19) scheint sich bereits bestens ins norwegische Team zu integrieren und schon richtig «dabei» zu sein. Da bin ich schon mal sehr mal gespannt, wie sich Fossesholm und «Shooting-Star» Frida Karlsson (SWE) nächsten Winter schlagen werden. Denn auch die Schwedin scheint ganz «flott» unterwegs zu sein und neue Trainingsbestzeiten «en masse» aufzustellen, wie sie auf Instagram preisgab und sich dabei etwas «in die Karten schauen» liess.

Weil Ingvild Flugstad Östberg einen Ermüdungsbruch an der linken Ferse zugezogen hat und «coronabedingt» die Verletzung nicht optimal therapieren konnte, scheint sie etwas in Trainingsrückstand zu geraden und ist deswegen – zumindest was mal den Saisonbeginn betrifft – nicht ganz zu den Top-Favoritinnen zu zählen. Dafür wird es eher wieder die russische Läuferin Natalia Nepryaeva sein, welche bei den Langdistanz-Rennen Therese Johaug fordern dürfte.

Das gewohnte Bild oder «die rote Dominanz»

Bei den Herren wird’s wohl wieder «die rote Dominanz» – sprich Athleten aus Norwegen und von Russland – sein, welche das Geschehen prägen wird. «Nichts neues unter der Sonne» würde daher sowohl der biblische Prophet, als auch der Langlaufkenner, wohl weislich voraussagen. Währenddem die Norweger mehr oder weniger wie gewohnt ihre «Hausaufgaben» machen können, sieht es hingegen bei den Russen aber doch etwas anders aus. Denn anscheinend sind die Athleten und Coaches teilweise immer noch mehr oder weniger «verstreut» und müssen einzeln trainieren. Zumindest ist die neunköpfige Trainingsgruppe um Markus Cramer, welcher offenbar noch immer in Deutschland verweilt, nach wie vor von ihm als Coach getrennt. Denn der Ausbruch der Corona-Pandemie in Russland hat nicht nur international Folgen, sondern auch landesintern gibt es strenge Massnahmen wie abgeriegelte Orte oder ganze Bezirke und Reisebeschränkungen usw. Also scheinen die Voraussetzung auf Grund der Pandemie und nationalen Auswirkungen doch auch etwas unterschiedlich zu sein. Doch der Profi und die Top-Stars wie Champion Alexander Bolshunov (RUS) werden wohl auch dies wegstecken können und wissen genauestens, wie und was zu tun ist. Denn ein «Top-Profi» wird sich kaum «aus der Bahn werfen lassen» und bleibt (allem zuwider) fokussiert und motiviert. Das ist schlichtweg «die Kunst der Cracks» oder «der (eiserne) Wille des Siegers»!

Gewisse Fragezeichen ...?!?

Wo ich aber eher Zweifel hege ist, die Situation bei den «frischgebackenen Müttern wie u.a. Yulia Belorukova (Julija Sergejewna Belorukowa nach «Wikipedia») oder Anastasia Sedova Kuleshova - nicht nur der Namen wegen …. Das wird für diese in Abwesenheit der Vertrauens- und Bezugsperson doch sehr schwer werden, den richtigen Aufbau zu finden und rasch den Anschluss wieder ganz nach ganz vorne zu schaffen. Das scheint aus meiner Sicht und der aktuellen Situation und Umstände doch eher fraglich zu sein, wennschon Belorukova eifrig im gewohnten Stile ihre harten Kraftübungen – Armbeugen mit angehängtem Gewicht am Barren scheint ihre «Spezialität» zu sein – macht. Wie auch immer: Das Ziel aller Spitzenathleten ist es, die WM in Oberstdorf anzupeilen und darauf – allem zum Trotz – fokussiert zu bleiben und «hart zu arbeiten».

Nichtsdestotrotz: Ein grosses Ski-Fest soll’s werden!

Ja, das soll’s sein, eben ein freudiges und grosses Ski-Fest, welches den beherzten Aufbruch der Deutschen Langlaufnation, welche vor rund eineinhalb Jahren unter dem Prädikat «Ski Force Germany» aufgebrochen ist, gerecht wird und diesen obendrauf mit einer Medaille gar noch kürt! (Darüber habe ich schon mehrmals berichtet: Wir erinnern uns hier nur kurz an die Weltcup-Rennen letzter Saison, wo sich 2 x 6 Deutsche Athleten bei den Herren in den Weltcup-Rängen klassierten, resp. an den Podestplatz von Katharina Hennig an einer «Tour de Ski» - Etappe. «Oh, das war keck und frisch und hat echt Spass gemacht» … - und hauchte dem rot-monotonem Langlaufgeschehen neue Farbe ein. Letzteres taten überdies auch erfreulicherweise die Schweizer letzte Saison gleich mehrmals, wo sie «aufhorchen» liessen und grosse Glanzpunkte setzten. Auch darüber berichtete ich ausführlich). Und wir alle hoffen doch aus vollstem Langlaufherzen, dass bis dann sich alles wieder normalisiert hat und die WM im gewohnten Rahmen mit Publikum stattfinden kann und eben auch etwas abwechslungsreich und farbenfroh wird, was die Vergabe der Medaillen betrifft.

Die grosse Chance der Schweizer!

Ja, wieso sollte dann nicht nochmals so ein «Husarenritt» oder ein ähnliches «taktisches Meisterwerk» drin liegen, wie es die Schweizer Männer-Staffel letzten Winter mit dem 2. Platz beim Langlauf-Weltcup in Lahti (FIN) vollbrachten?! Wieso sollte das Duo Nadine Fähndrich / Laurien van der Graaff nicht auch mal bei einem Grossanlass «voll durchstarten» und es aufs Podest schaffen? Auf Kosten der Russen vielleicht, welche eben aktuell ja nicht gerade optimale Vorbereitungsumstände vortreffen, könnte «das Momentum» ja doch gut mal auch auf «unsere Seite» kippen. Zumindest herrschte während der Pandemie «Peak-Zeit» hierzulande bis in den späten Frühling herrliche und tolle Schneebedingungen in den (Seiten-)Tälern oder oben auf Pässen oder so, welche doch gut genutzt wurden. Da kann man echt sehr viel profitieren davon. Sofern denn auch Respekt und Solidarität für die mehr «Pandemie-Betroffenen Städter» oder «für den Rest der Welt» gezeigt wurde, fand ich das auch völlig in Ordnung! Trotzdem aber fand ich persönlich das Zeichen oder Statement beim Trainingsantritt von Toni Livers stark, wo das «Swiss-Ski-Kaderteam» um Dario Cologna mit Schutzmaske postete! Das zeigte Charakter und Stärke, eben im Sinne von Solidarität, in einer doch aussergewöhnlichen und etwas schwierigen Zeit, Jungs! Sowas, ein kleiner «Ulk» oder etwas «Schräges», bringt dann eben doch auch die – leider oftmals so sehr vermisste «Farbe» – rein. Auch wenn es nur kurz für ein Foto ist ... - gerade solches Verhalten zeugt eben von echter «Professionalität» und Glaubwürdigkeit.

«Schweizer Langlaufnachwuchs»: Der Athlet als Mensch (in erster Linie) wahrnehmen und fördern!

Was mir aber hingegen, zu den eben geschilderten und sehr erfreulichen Perspektiven des Schweizer Langlaufsports, schon eher etwas Bauchweh oder Sorgen macht, ist das Thema «Aufbau» – oder eben der «Nichtmehr-Aufbau» (!) – von jungen Athleten anbelangt. «Oh je, oh NEIN», schreits geradewegs aus mir heraus … Da wird in jungen Jahren der Sache und den Rennen hiesigen Landes einen viel zu hohen Stellenwert beigemessen. Ich hab’s ja selbst einmal erleben, wie bei einem «Kids-Race» der teuerste Wachs nur gut genug war, eifrig angefeuert und gecoacht wurde, als ob es schon um «Sein oder Nichtsein», «To Be, Or Not To Be» ging, als mein damals sechsjähriger Sohn spasseshalber mal spontan ein Rennen mitmachen wollte. Irgendwie «voll krass» bis gar irgendwie «grässlich» war’s, was ich da rundum wahrnahm! Das Rennen zuzuschauen war dann natürlich schon toll und herzig. Doch eigentlich geht’s oder sollte es zumindest, bis so um die 12 Jahren, ja bloss darum gehen, um einen gut gefüllten «Rucksack an natürlichem Bewegungsdrang» (= eine solide Basis/Grundlage) zu erheischen – ob nun langlaufspezifisch oder/und Polysportiv –, wie es in meinem erarbeiteten «Aufbaukonzept» heisst. (Mehr dazu -> demnächst auf www.Nordic-Passion.com).

Keine «Strohfeuer» bitte!

Kein Wunder, trennt sich dann später, auf internationaler Bühne, d.h. so um die 18 bis 19 Jahren, «die Spreu vom Weizen» - und während es andere ganz nach vorne schaffen, stagnieren bei uns die Jungen dann, wenn’s eigentlich erst so richtig losgehen sollte, leider oftmals schon …. Da wurde eben schon alles in die Waagschale geworfen und alles getan, um den Weg zu ebnen, um (kurz) «etwas zu sein». Doch das ist absolut nicht sinnvoll und keineswegs gut, geschweige denn gesund für den immer noch in erster Linie Mensch seienden Athleten (und nicht Athlet als Mensch!). Denn das Leben geht weiter, werden zu hohe und nicht erfüllte Erwartungen geweckt und verfehlt … Was nützt denn schon ein kurzes «Strohfeuer», wenn man ebenso auch ein Feuer entfachen könnte?

Von den Tennis-Coaches lernen, oder: Umdenken, bitteschön (was der AUFBAU von jungen Athleten betrifft)!

Darum: Lassen wir doch hier einmal die versierten Tennis-Coaches, wie Toni Nadal, welcher seinen Neffen Rafael mit harter Hand zu einem der besten Tennisspieler der Geschichte formte, reden: «Ja, ich habe ihn (Rafael) oft mit schlechten Bällen auf schlechten Plätzen trainieren lassen» und, weiter: «Man muss im Leben und im Sport grosse Widrigkeiten akzeptieren, aushalten und überwinden können» (BLICK-Online vom 07.06.2020). Was das mit Jung- oder Teenie-«Stars» betrifft, trifft Vater Bencic den Nagel auf den Kopf. Als Tochter Belinda 2014, auf einer Erfolgswelle reitend, als die neue «Swiss-Tennis-Miss» oder Martina Hingis angepriesen wurde, platzte ihm im Interviewraum der Kragen. Zitat: «Belinda liest, wie ihr sie in den Himmel hochhebt, das muss ihr ja in den Kopf Steigen!» fauchte er geradewegs, als Belinda im Viertelfinal des US-Open sang und klanglos verlor, zur Presse. «Oha!». Doch wie oft, dort als drüben oder da, heisst es bei uns in der Langlaufszene zu Jung-Talenten: «Das ist der neue Dario» - und ähnliches … Definitiv und gewiss tut man den Athleten aber keinen Gefallen, wenn man sie zu früh hoch lobt und vergleicht! Denn: «It’s A Long Way To The Top» ist und bleibt eine Realität und Tatsache, welche schon AC/DC mit dem gleichnamigen Song zu Beginn ihrer Karriere besangen - und ganz real, d.h. völlig «nüchtern», auch wussten!

Die Realität: Es ist absolut keine «Geheimniskrämerei», sondern gewiss «harte Arbeit» …

Obendrauf wird auch noch brutal hart und kurzsichtig frühselektioniert, ob’s nun um Beitritte an Sportschulen oder Kader-Selektionen und -Dazugehörigkeiten geht. Da wird man teilweise fallengelassen, um Jahre später wieder aufgenommen zu werden, wenn’s halt andere nicht (mehr) als Nachwuchssportler gibt oder es «nicht richten» (hinbringen)! Irrsinn pur ist das doch - oder halt bloss der «Zeitgeist», welcher halt oftmals schon etwas «illusorisch geprägt» ist, eben! Davon sollte sich auch «Swiss-Ski» so langsam lösen und verabschieden. Denn in einer etwas ausgewogeneren Breite liegt hierzulande ein immenses und kostbares Potenzial, welches durch grosse Bemühungen dort und da nur schwerlich erarbeitet wurde, brach. Jedoch vor lauter Wissenschaft und Zahlen fehlt oft der Scharfsinn, das gewisse Etwas oder Einfühlvermögen - und der klare Weitblick ebenso. Die Norweger wissen genauestens was zu tun ist. Die Deutschen mittlerweile ja auch - und generell ist es wirklich kein grosses Geheimnis, wie Anders Aukland (NOR) so treffend sagt: «No Secrets - Just Hard Work». Also, gehen wir auch diesen Weg, d.h. wer wirklich an die Spitze, «To The Top» will. Da nützt halt kein Schönreden oder falsche Vorstellungen wecken oder dergleichen. Der Berg ist und bleibt das Ziel. Den sollte man endlich mal wieder entschieden und klar ins Visier nehmen und nüchtern und sachlich anpeilen. Die Zeit ist doch überreif, um auch hierzulande «Aufbruch-Signale» zu senden (kommunizieren) und einen Aufbruch-Weg à la «Ski Force Germany» zu gehen.

Bin nun aber schon mal gespannt und «hungrig» auf die kommende Saison und ob die schönen Erfolge der Schweizer-Cracks neue Moral und Selbstvertrauen – und allem vorab wiederum tolle Resultate – bringen!

Im Juni 2020, NORDIC-PASSION'S Pet(t)er ;-)

Link zu den «Nordischen Skiweltmeisterschaften 2021 in Oberstorf (D)», welche vom 23. Februar bis zum 7. März 2021 stattfinden sollen

NORDIC-PASSION-SERIE: «Schweizer Langlaufsport unter der Lupe - die Potenziale» //

2. Der «Swiss Loppet» - oder ein neues oder cooles Format für junge und aufstrebende Athleten!

Der «Swiss Loppet», bestehend aus den elf grössten Volks-Langlaufrennen der Schweiz, ist in der Langlauf-Szene natürlich bestens verankert und rundum bekannt. Neben dem «Engadiner» und «Gommer» wird’s dann auch schon etwas schwierig, was die Durchführung – der Schnee, als «unser aller prächtiges Gut » lässt halt Grüssen (oder eben nicht …) – oder was dann die Teilnehmerzahlen betreffen, ist die Tendenz eher rückläufig. Gewisse Strecken sind aber auch gar nicht wirklich tauglich für einen «Volkslanglauf». Konkret denke ich dabei an den Topografie eines «Planoiras» oder «Surselva». Wenn man etwas kritischer ist, dann weiss man aber auch, dass das unlängst «etablierte Renn-Format» die letzten Jahren kaum noch durch «visionäre oder revolutionäre Ansätze» mal etwas «aufgepeppt» oder «erfrischt» wurde. Aber vielleicht braucht es dies ja gar nicht?!

Das schöne, privilegierte «Sportlerleben» …

Item: Fakt ist, dass hierzulande aktuell eine ganze Schar an jungen Athleten und Talenten «herumtummelt», welche doch irgendwie «mehr» möchte. Irgendwie reicht es denen nicht mehr ganz nach vorne zu gelangen oder zum wirklichen Profi-Sportler. Dennoch aber lässt es sich, zumindest bei uns hier, im wohlergehenden «Switzerländle», doch noch gut so als Sportler leben und es gibt dort und da noch ein «Kässeli», welches ein – ehrlich gesagt – schon etwas «privilegiertes Sportlerleben» zulässt. Auf Instagram oder so lässt sich dies gut inszenieren und ein teilweise (Schein-)Leben als Sportler zelebrieren. Absolut gut, legitim und schön ist das doch! Und mit dem zeigen von Produkten und Sponsoren lässt es sich sogar noch ein paar Franken verdienen. Wir gönnen es jedem und jeder natürlich aus vollem LL-Herzen, die es bis da «geschafft» hat - und geniessen die Schönen und oftmals tollen Impressionen, Stimmungsbilder und Eindrücke aus dem oftmals bunten Trainingsalltag, welche es auf den «Social Media» zu Genüge gibt. Die etwas graueren sieht man ja oftmals leider nicht … - obwohl dieser Aspekt natürlich auch sehr spannend und aufschlussreich wäre.

Aber dennoch: Die Chance oder das Potenzial auf «mehr» muss definitiv vorhanden sein!

Dass die letzten Jahre immer mehr Athleten in einem Swiss-Ski-Renndress bspw. das Bild eines «Surselva-Marathon» prägen oder dominieren, gilt es aber schon nicht ganz ausser Acht zu lassen. Denn da ist so einiges an Potenzial enthalten! Das ist schon ein «kleiner Trend» und «nationaler LL-Zeitgeist» auszumachen! Dem würde ich eben absolut «Rechnung tragen» und dieses Aufstreben voll «quittieren». Vielleicht müsste man den erwähnten «B-Athleten» (das «B» ist keineswegs abschätzig oder negativ gemeint …) auch einen Ansporn im Sinne von «da ist was zu holen» und den Reiz mit einem ansprechenden Preisgeld geben. Ja, eine Bühne oder Plattform sich da zu zeigen oder sogar für höheres zu empfehlen wäre angebracht! Wow, das wäre doch cool und wohl auch ganz im Sinne des Nachwuchses. Oder etwa nicht?

Um abschliessend und kurz nochmals beim «Surselva-Marathon» zu verweilen, dann stehen hier wirklich ganz, ganz grosse Namen und LL-Koryphäen auf der Siegerliste der letzten Jahre: Namentlich sind dies u.a.: Olympiasieger Alexander Legkow (RUS), Dario Cologna, Curdin Perl (4x), Toni Livers und Livio Bieler. Mögen sich da neue, hungrige und aufstrebende Nachwuchsathleten beweisen und denen nacheifern! «Let’s go Mädels & Jungs, LET'S GO».

«LET’S S GO 4 IT! GO STRONG - ÄND STRONER!»

Für «Nordic-Passion» und den hiesigen Langlaufsport, Peter Decurtins

Zu den Bildern: Einige grosse Sieger-Namen des «Surselva-Marathon» sind u.a. Olympiasieger Alexander Legkov (RUS), Curdin Perl (Mehrfachsieger) und Livio Bieler (v. l. n. r.)



13. Februar 2020, Peter Decurtins (AKTUELL zum LL-Weltcup-Weekend der Damen in Falun vom 8./9.2.20)

«Die ungestümen, jungen Wilden …» *******

Irgendwie ist es gerade so ziemlich «crazy», was bei den Damen im Weltcup abgeht. Nachdem das norwegische «Mega-Sporttalent» Helene Marie Fossesholm (geb. am 31. Mai 2001) – ich berichtete auf «NORDIC-PASSION» unter «Szenen-Blick & News» bereits letzten August über sie – debütierte Helene Marie im Dezember 2019 im Weltcup. Also mit rund etwas mehr als 18 ½ Jahren! Dabei holte sie mit dem 18. Platz im Skiathlon vom 7. Dezember in Lillehammer (NOR) gleich ihre ersten Weltcuppunkte …. Wahnsinn pur - oder eben nicht gerade das, was wir unter «langfristigem Aufbau des Leistungsniveaus» verstehen und deswegen schon fast etwas «surreal» erscheint!

Doch unbeschwert und draufgängerisch …

Nun, beim Weltcup in Falun (SWE) vom letzten Sonntag, dem 9. Februar 2020, über 10 km freie Technik der «Knaller» / resp. «Exploit» …. Obwohl Helene Marie – notabene bei engen Kunstschneerunden – erstmals das Feld von hinten überholen musste und sie auch noch stürzte, resultierte Schlussendlich der 5. Schlussrang für den norwegischen «Youngster»! Dabei setzte sich die «Draufgängerin» spielerisch leicht und fast schon völlig «abgebrüht» oder «abgeklärt» gegen Routiniers wie Natalia Nepryaeva (RUS) durch. Schlichtwegs einfach: «Crazy again». So ziemlich «genüsslich», entsprechend keck und mit einem gewissen Schalk, berichtet sie auf ihren Instagram-Profil darüber «aber der, der sich nichts getraut, gewinnt nicht» (freie Übersetzung nach Instagram).

Gelungenes Comeback!

Überaus gespannt war man auch auf das «Comeback» der aus gesundheitsprophylaktischen Gründen (man vermutete «Essstörungen», sprich Magersucht-Gefährdung) verbandsinternen gesperrten zwanzigjährigen Frida Karlsson (SWE / Jahrgang 1999). Denn der «Shooting-Star» der letztjährigen LL-WM in Seefeld gab in Falun beim Distanzrennen den langersehnten Weltcup-Saisoneinstand. Obwohl Frida, die sich wie Fossesholm erstmals durchs Feld kämpfen musste, am Schluss die «Pace» nicht ganz durchziehen konnte, war sie mit ihrem 9. Platz anscheinend ganz zufrieden. «Die Platzierung spielt keine Rolle, es war nur um loszulegen und sich zu fühlen, als wäre ich wieder da» gab eine sichtlich erleichterte und wohl etwas «gebeutelte» Frida zu Protokoll, wobei aber auch die Verbissenheit und die hohen Ansprüche an sich selbst durchdrangen. Von einem «genialen Comeback» war dann auch die Rede oder der «Grundtenor zum (grossen) Ereignis» in der nordländischen, allem vorab natürlich in der heimischen Presse. Wir sind doch mal sehr gespannt, wie es mit Fridas Weg und Entwicklung als Mensch und Sportler weitergeht und wünschen ihr natürlich nur «All The Best» (in allen Belangen) - und ganz, ganz viel Geduld?! Doch letztere scheint irgendwie nicht mehr so gefragt, «in» oder zeitgemäss zu sein .... Nur ungern erinnen wir uns hierbei an den «Fall Nathalie von Siebenthal», welche ziemlich frustriert und total ausgepowert den Bettel viel zu früh hingeworfen und ihre doch sehr erfolgreiche Karriere leider schon mit 26 Jahren beendete hatte. Doch nicht alle können ja zuvorderst sein oder dorthin gelangen!

Auf «anderer Stufe» erfolgreich: Anja Weber & Co.

Währenddessen im Norden die «jungen Wilden» für Aufsehen sorgen und so manches «durcheinanderwirbeln», zeigen die jungen Schweizerinnen um Anja Weber tolle Resultate im Continental-Cup (COC). Anja Weber, welche notabene rund einen Monat jünger als Helene Marie Fossesholm ist und eine ebenso überaus erfolgreiche «Allrounderin» (Triathlon und Langlauf), wird hierzulande als «hochgehandeltes» Talent (sorry für den Begriff!) gewertet. Wir sind doch sehr gespannt, ob sie die grosse Lücke zu den «versierten Teamleaderinnen» (Nadine Fähndrich und Laurien van der Graaff) zulaufen kann. Das das nicht gleich schon Morgen ist, liegt ja schon noch irgendwie auf der Hand, denn in der Regel geht’s ja schon nicht ganz so schnell wie bei den beiden Skandinavierinnen und Ausnahmeathletinnen…. - und, ist man erst mal oben, ist die Luft ja bekanntlicherweise sehr dünn, resp. man muss sich dann auch noch erst (nachhaltig) beweisen und etablieren. «Schritt für Schritt» ist sicherlich nach wie vor eine gute und solide Entwicklung «To The Top», d.h. nach vorne an die Weltspitze!

Wir sind echt gespannt wie es weitergeht und es sich generell – d.h. national, als auch international – entwickelt, mit den wilden und ungestümen «Youngsters»?!? «We will see».

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NORDIC-PASSION.COM

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Helene_Marie_Fossesholm

https://www.instagram.com/helenefossesholm/?hl=de

Langlaufnews



16. September 2019 / Peter Decurtins

The «Ski Force Germany»

Kurzinterview mit Bundestrainer Peter Schlickenrieder

Da mich der Neuaufbruch der Deutschen Langlaufnation unter Peter Schlickenrieder als neuen Bundestrainer doch sehr überzeugt, habe ich dem vormaligen «Hansdampf in allen Gassen» und ehemaligen Weltklasseläufer und Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Winterspielen 2002 von Salt Lake City im Sprint, ein paar Fragen gestellt. Umgehend antwortete mir Peter promt, welcher eben wahrlich ein echter «super Typ» ist. Dazu schickte er mir auch noch tolle Fotos vom Trainingszusammenzug der Deutschen in Ulrichen im Goms (VS) anfangs September, wo sich die Damen ganz unkonventionell und wohl auch etwas auflockerungs- und spasseshalber im «Summer-Klaebo-Style» übten.

Ganz im Sinne von «NORDIC-PASSION» – «Langlauf leben, fördern und entwickeln» ist das! Denn genau das ist damit gemeint: Innovation und Kreativität, auch mal etwas querdenken und stetig pushend, antreibend oder motivierend sein … (das ist notabene das, was wir unter «Coaching» verstehen).

Hier das Kurzinterview:

1. Frage / NP : Peter, Du hast immer so tolle Ideen und bist immer sehr leidenschaftlich für die Sache unterwegs. Von woher nimmst Du die Energie und Inspiration dafür?

Antwort / PS : Von meinen Abenteuern und dem Draussen sein.

2. Frage / NP : Was ist für Dich das grösste in Deiner Tätigkeit?

Antwort: Die Arbeit mit Menschen.

3. Frage / NP : Welche konkreten Ziele verfolgst Du als Deutscher Bundestrainer in der kommenden Saison?

Antwort / PS : Mein Ziel ist die Athleten in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen, zu fördern und auf ihrem Weg zum selbstverantwortlichen Sportler.

4. Frage / NP : Eigene Rückmeldung oder Botschaft, welche Dir auf dem (Sportler-)Herzen liegt?

Antwort / PS : Wichtig ist aus dem was Dir die liebe Mutter Natur an Talenten mit in die Wiege gelegt hat, das Beste zu machen, an der eigenen Persönlichkeitsentwicklung aktiv zu arbeiten und den Erfolg nicht nur am absoluten Topergebnis zu messen.

Danke Peter! Weiterhin viele tolle Ideen und viel Erfolg – sprich Persönlichkeitsentwicklung! –, wünsche ich Dir und Deinem Team.

Links zum Thema:

(The «Ski Force Germany» in Action im «Summer-Klaebo-Style» in Ulrichen auf INSTAGRAM –> siehe Videos hinten)

«Die Rückkehr zu den goldenen Zeiten» - Bericht des Radios rro (Radio Rottu Oberwallis) über die Intensive Vorbereitung der Deutschen Langlauf-Nationalmannschaft auf die neue Weltcup-Saison mit Video-Interview mit Peter Schlickenrieder

«DER IMPULSMÄN» - was es hin und wieder mal braucht ... (oder bräuchte) & «DER QUERDENKER» ... (Gedanken zu «Coach und Coaching»)

19. August 2019 / Peter Decurtins
Den Anschluss schaffen und Konstanz im Weltcup erreichen!

(Ein kurzer internationaler Ausblick auf die kommende LL-Weltcup-Saison oder eine Art «Sommer-Standortbestimmung»)

Als die Deutschen Langlauftrainer Ende letzter Saison gründlich und ausgiebig die Situation analysiert haben, ist die klare und ernüchternde Erkenntnis da: «Es ist noch immer nicht gelungen, dass die jüngeren Sportler, die wir da mal eingesetzt haben, den Sprung in die Weltcuppunkte geschafft haben» (xc-ski.de). Bei den Damen sieht es da etwas anders aus und mit dem Gewinn der Bronze-Medaille an der Junioren-WM scheinen auch junge Athletinnen auf dem Sprung nach vorne zu sein. Zudem haben die Deutschen mit Peter Schlickenrieder als Bundestrainer wohl die Person gefunden, welche eben neue Akzente setzen und die Athleten antreiben und beflügeln kann, um abermals oder erneut «an die alte Stärken» zurückfinden zu können. Doch wie Janko Neuber, der Herren-Trainer der Deutschen sagt: «Es ist ein verdammt weiter Weg bis ganz nach vorn» …

Hiesigen Landes scheint die Stimmung und der «Team-Spirit», wie diverse Fotos und Impressionen aus diversen Trainingszusammenzügen auf den «Social Media» (soziale Medien), wie u.a. aus der Sierra Nevada, Seefeld oder den Dolomiten zeigen, doch sehr gut zu sein. Doch gelingt es dem unbestrittenen Leader Dario Cologna tatsächlich auch, die Jungen Athleten an eine solides «Weltcup-Niveau» heranzuführen? Während Dario anscheinend seine «fehlenden Bausteine», welche er Ende letzter Saison ausmachte (-> das gewisse oder fehlende «Etwas»), im «spezifischen Krafttraining» ortete, «braut sich im Norden» bereits wieder so einiges zusammen … So hat im Frühling auch der Deutsche Damen-Trainer nach Schweden, zu den Sprinterinnen geschielt, welche da anscheinend in Bezug auf «Kraftpotenziale» neue Massstäbe setzen und letzte Saison doch ziemlich erfolgreich unterwegs waren. Auch das kürzlich ausgetragene «Blink-Festival» (-> der internationale Rollski-Event als «Sommer-Härtetest» schlechthin) zeigte auf, dass bei den Norwegern bereits wieder eine neue Generation an «stürmischen, wilden Jungen» im Vormarsch ist.

Neben einer herausragenden und dominanten Therese Johaug beim spektakuläre Bergrennen «Lysebotn Opp», welche dabei einen Streckenrekord aufstellt und neulich auch noch Landesmeisterin über 10'000 m auf der Bahn geworden ist (!) und eine bestechende «Sommer-Form» aufweist, traten gerade bei den Damen neue Namen in den Fokus. Während Juniorin und auch Mountainbike-Supertalent Helene Marie Fossesholm – notabene als frischgekürte norwegische Meisterin im Mountainbiken (!) – mit einer bärenstarken Leistung überzeugte, scheinen da die Juniorinnen bereits den Anschluss an die Weltelite zu schaffen. Da gilt es wohl schon mal Namen wie eben Helene Marie Fossesholm, Kristine Stavås Skistad oder Hedda Amundsen vorzumerken ...

Doch schön wäre es eben auch und doch wünschenswert, wenn hierzulande neben einem wieder «zurück in die Spur» gefundene Jonas Baumann und dem sich von einem «Overreaching» (Übertraining) scheinbar gut erholten Jason Rüesch auch neue Namen, wie der letzte Saison schon mal für ein erstes Aufhorchen gesorgte Beda Klee, «in Szene setzen» könnten. Gesucht wird da wohl etwas die Konstanz, wo doch die letzten Jahre bei den Jungen Swiss-Ski-Athleten im Weltcup doch eher ein «kommen und gehen» war und die Identität als Team irgendwie schwer auszumachen war.

Gespannt kann man auch sein, wie sich die junge «Allrounderin» Anja Weber weiterentwickelt und wie sie mit ihrer «Herkules-Aufgabe» (-> Triathlon und Langlauf !) weiter zurechtkommt.

Auf jeden Fall ist die Vorfreude auf die kommende Langlauf-Saison schon mal da!

Zu den Bildern: Die Schnee-Kilometer und auf den Skis zählen und das das «langlaufspezifische Training»! Bald geht’s wieder auf Schnee, wie beispielsweise auf dem «Schnalstaler Gletscher», wo ab Mitte Oktober diverse Nationalmannschaften anzutreffen sind. Das «Val Senale» (Schnalstal) eignet sich daneben u.a. auch bestens für Rollski-Trainings-Einheiten und Gelände-Läufe. Auf den Fotos sind u.a. Petter Northug – der Langzeit-Dominator und «Überflieger» – sowie diverse Läufer von verschiedenen Nationalmanschaften, wie u.a. derjenigen von Russland und Italien (Fotos -> siehe Facebook-Artikel "NORDIC-PASSION" - Profil).


20. Juli 2019 / Peter Decurtins (TRAININGS-WISSEN)

«Training à la Norge» heisst ... - These 1 + 2 //
«DAS LEISTUNGSNIVEAU» & «DIE TRAININGS-INTENSITÄTEN»


Das meint konkret: «Sein Leistungs-NIVEAU mit sehr viel BASIS-Training (grossen Umfängen) sorgfältig und über Jahre hinweg AUFBAUEN! Dies führt unweigerlich zu einer stetigen Leistungsentwicklung, was der Indikator dafür ist, ob ich es richtig mache oder (noch) auf dem Weg (nach oben) bin ... .» Der ISW-Sportscoach (4.2019)


Vorzeigeathleten & Trainingsfleiss

Der eigentliche Vorzeigeathlet oder Vordenker, was zumindest den Trainingsfleiss und Eifer betrifft, war vor dem Langzeit-Dominator Björn Daehli vielleicht auch ein gewisser Johann Mühlegg! Ja, genau, Johann Mühlegg, wessen Kariere und Leben sich zu einer einzigen Tragödie entwickelte …; dieser «skurrile Typ» meine ich. Jochen Behle, der Ehemalige deutsche Spitzenathlet und Bundestrainer zu Mühlegg: «Johann sei ein Arbeits-monster gewesen, lief vormittags 60 Kilometer und wollte nachmittags dann richtig trainieren». Und weiter: «Johann hätte die Langlauf-Welt über Jahre beherrschen können wie ein Dählie». (Johann Mühlegg: «Phantom statt Legende» - Online-Artikel auf sport.de). Leider aber verschieb er sich eben esoterischem Zeugs und verfiel der Scharlatanerie. Nichtsdestotrotz legte er einen unglaublichen Trainingsfleiss an den Tag und verbrachte viele einsame Stunden auf der Loipe am «Stelvio» (Stilfserjoch -Pass). Des Öfteren bei eisigen und windigen Verhältnissen, machte der zähe Naturbusche eben eifrig seine «Hausaufgaben» oder Runden. Seine Autobiografie «Allein gegen alle» berichtet hautnah über das erlebte oder erduldete - und kann hinsichtlich «Biss & Fleiss» gar eine Inspiration und Motivation sein, liest man dabei nämlich sorgfältig «zwischen den Zeilen», wo man doch so vieles «entschlüsseln» und entdecken kann! All das «Gugus-Zeugs» kann man dabei aber natürlich ruhig überfliegen ... .

«Freunde vieler Trainingsstunden» – so werden Ausdauer-Sportler gemacht!

Szenenwechsel und zur «LL-Übermacht Norwegen» - d.h. ich zitiere Teamdirektor Age Skinstad (aus dem Online-Artikel vom Februar 2015 auf srf.ch - «Die Langlaufbibel liefert die Antwort»): «Wir sind Freunde vieler Trainingsstunden, weil wir gelernt haben, wie effektiv sie sind. Unsere Besten kommen pro Jahr auf gegen 1000. Intensiv dagegen würden sie sehr wenig trainieren. So bestreiten die Athleten die Mehrheit der Einheiten höchstens mit 72 Prozent des Maximalpulses, um sich schneller zu erholen.»

Und was macht eigentlich ein gewisser Martin Johnsrud Sunby, welcher ebenso souverän und langatmig mit einem bärenstarken Leistungsniveau überzeugt? «Ich probiere vieles aus», sagt er. «Ich glaube, dass viele Athleten zu sehr Angst davor haben, ihre Trainingsroutinen zu ändern. Aber für mich ist das inspirierend.» Dass er sich im Streben nach Perfektion keine Denkverbote auferlegt, zeigt sich am eindrücklichsten bei seinem Trainingsumfang. Sundby trainiert rund 1100 Stunden im Jahr - mehr als alle seine Konkurrenten. Damit scheint er in der Langlauf-Szene ein Tabu gebrochen zu haben, galt doch seit der goldenen Ära der Norweger um Björn Dählie und Thomas Alsgaard in den 90er-Jahren 850 Stunden als Höchstwert. «Es ist faszinierend», sagt Sundby. «Wir haben in unserer Sportart eine Kultur geschafften, die besagt, dass man nicht mehr trainieren dürfe.» Doch Sundby wählt seinen eigenen Weg. «Entscheidend ist doch, herauszufinden, wie viel der Körper aushalten kann. Schlagen Sie mal einem Schwimmer vor, 1100 Stunden im Jahr zu trainieren. Er wird nur lachen. Mit so wenig Training hat ein Topschwimmer keine Chance.» (Online-Artikel der «Aargauer-Zeitung» unter dem Titel «Was steckt hinter dem unschlagbaren Norweger?»).

Also, das mit den Trainingsstunden scheint doch auch eine Art «Erfolgsrezept zu sein», welches Sundby nun kürzlich anscheinend auch den langersehnten Weltmeister-Titel im Einzel einbrachte … (gemäss TV-Kommentator Adriano Iseppi sei er eben schlichtweg einfach wieder «back the roots» gegangen und hat auf Altbewährtes zurückgegriffen). Der Weg und die überlegene, souveräne und ruhige Art der Norweger und Norwegerinnen, wie exemplarisch auch derjenigen, der letzte Saison zurückgekehrten Therese «Duracell» Johaug, überzeugt einfach restlos. Der Akku oder eben die Batterien scheinen – wenn’s drauf ankommt – stetig geladen zu sein. Das ist wohl eben der topseriösen, umfangreichen und restlos-ganzhingebenden Ganzjahres-Arbeit und dem ausserordentlichen «Trainingsfleiss» zu verdanken. Das ist das Resultat oder die unweigerliche Frucht daraus.

Nicht «überpowern» und die «Peak-Phasen» kurz halten!

Daher: Lass dich nicht aufhalten und bremsen, wenn Deine Intuition sagt, du möchtest mehr (machen), achte aber sorgfältig darauf, um die Intensitäten oder den «Peak» (sprich intensivste Intervall-Phasen) nur kurz zu halten! Denn so ist es im Sport, aber auch in der Wirtschaft genauso. Das mit dem Stresspegel ist nur gesund und möglich, wenn eben eine ausgiebige und breite Basis vorhanden ist und sich diese «Extrem-Zeiten» im Masse halten! Doch lassen wir, um diese These oder Ansicht zu verdeutlichen, auch noch die Damen zu Worte kommen: Marit Björgen im offengelegten Beitrag zum Thema «So trainiert eine Weltklasse-Athletin» im «Tages-Anzeiger» - Artikel / Recherche von Christian Brüngger, vom Sonntag, 25. März 2018: «Zu den überraschenden Erkenntnissen für Laien gehört die Verteilung der Intensitäten. Björgen trainiert vorwiegend in tiefem Pulsbereich von rund 75 Prozent ihres Maximums. Im Jahresschnitt absolviert sie rund 90 Prozent ihrer Ausdauereinheiten in gemächlichem Tempo, viele davon in einer Länge von mehr als zwei Stunden. Wer also glaubt, Spitzenathleten wie Björgen würden im Alltag permanent powern, irrt.» Effektiv kann man den Weg an die Spitze so, d.h. durch übermässiges «High Intensity Interval Training» (Abk. = «HIIT»), nicht «verkürzen» und meinen das alleine genügt oder bringt einem entscheidend weiter. Nein, so geht es eben nicht! Im Gegenteil, die Gefahr zu «überpowern» oder in ein «Übertraining» zu gelangen sitzt einem arg im Nacken.

Locker, umfangreich und «ökonomisch»!

Björgen reduzierte mit den Jahren den Anteil an mittleren und harten Trainings gar, womit sich die Balance noch extremer Richtung lockerer Einheiten verschob. Das kontinuierliche Steigern des (lockeren) Ausdauervolumens führte bei Björgen zu einer verbesserten Laufökonomie. Das heisst, sie lief mit den Jahren immer effizienter und konnte ihre maximale Sauerstoffaufnahme besser ausnützen.»

Da gibt es eigentlich nichts mehr hinzu zu fügen. Die Sachlage ist klar. Die längeren Trainings oder lockeren Einheiten machen’s aus. Doch sind wir auch bereit den Weg «à la Norge» zu gehen und so viel zu investieren? Doch so werden eben halt nun mal Ausdauer-Sportler gemacht: Mit Fleiss und Ausdauer.

«Let’s go à la Norge!» Für «NORDIC-PASSION» Peter, Der ISW-Sportscoach


Frühling 2019 / Peter Decurtins

Artikel «das Schlüsselerlebnis» - oder seine Karriere (Leben) neu lancieren! (Neue Reize und Perspektiven) -> folgt demnächst)



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